Unser Stadtviertel ist und bleibt eines der schönsten
und wohnlichsten Viertel der Stadt Luxemburg. Erbaut seit dem Ende des 19. Jahrhunderts,
stellt es mit seinen zahlreichen Villen und harmonischen Häuserensembles immer noch ein urbanes Juwel dar. Leider ist unser Viertel, vor allem in seinem unteren Teil bereits stark verbaut. Diese architektonisch zum Teil grässlichen Zweckbauten aus den 70er bis 90er Jahren beruhen auf Fehlentscheidungen in der Stadtentwicklungsplanung, die von der Stadtverwaltung im Allgemeinen Bebauungsplan (PAG) festgeschrieben wurden und somit allgemein gültig sind.
Auch heute stehen die zugelassenen Bau- höhen in vielen Straßen auf Limpertsberg noch immer nicht im Einklang mit der be- stehenden Bausubstanz. Es ist klar, dass ein Haus mit zweieinhalb Stockwerken in
einer Straße, wo die Gemeindeführung eine Bauhöhe von fünfeinhalb (!) Stock- werken zulässt, kaum Chancen hat, dem Bauboom und dem dadurch entstehende ökonomischen Druck zu entkommen. Dadurch sind manche erhaltenswerte Ensembles von stilvollen Wohnhäusern aus der Jahrhundertwende sowie der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts bedroht.
Der Architektur- und Denkmalschutz der Stadt Luxemburg lässt hier noch immer auf sich warten … In der rue Henri VII und angrenzenden Straßen sollten jetzt 46 Häuser dank des Wirkens der staatli- chen Denkmalschutzbehörde geschützt werden. Bürgermeister Helminger ließ diese Anfrage, die vom Gemeinderat in der letzten Sitzung begutachtet werden sollte, von der Tagesordnung nehmen, es steht also derzeit noch ein Fragezeichen über dem Fortgang dieser für den Erhalt des Stadtbildes auf Limpertsberg so wichtigen Maßnahme.
Ein besonderes und zugleich auch top- aktuelles Beispiel ist die Abrissgefähr- dung eines bemerkenswerten Doppel- hauses auf Nummer 18 bis 20 rue Alfred de Musset. Dieses Haus mit seinem stilvollen symmetrischen Eingangsbereich aus Sandstein und seinen auffälligen ,Zwillingstüren‘ aus den 1920er Jahren ist aufs Äußerste vom Abriss bedroht!
Dies ist umso unverständlicher als dass dieses Haus in seiner Form ein Unikat auf dem gesamten Stadtgebiet darstellt. Das Buntglasfenster im Treppenhaus mit seinem Windmühlenmotiv ist eindrucks- voll und zeugt von dem Interesse des Bauherren an dem noch ländlichen Cha- rakter des ,neuen‘ Stadtviertels Limperts-
berg am Anfang des 20. Jahrhunderts: schließlich gab es auch auf dem Gebiet der Stadt Luxemburg in höhergelegenen Lagen Windmühlen (i.e. „Gaalgeknupp“ und das Gebiet um die heutige Maternité an der route d’Arlon). Es steht außer Frage, dass dieses Haus in der rue Alfred de Musset erhalten werden muss!
Alles in allem kommt die aktuelle Schief- lage der Bebauung in den traditionellen Wohnvierteln der Stadt Luxemburg dadurch, dass stilvolle Wohnhäuser schutzlos der Immobilienspekulation ausgesetzt sind. Spekulanten, die mit dem Bau von Appartmentblocks große Gewinne erzielen, treiben die Preise so hoch, dass eine Familie, die ein Haus renovieren und restaurieren möchte, um darin zu wohnen, dieses Haus überhaupt nicht mehr kaufen kann.
Wohnhäuser sollten dem Wohnen vorbe- halten sein! Deshalb setzen wir uns ein, dass die Gemeinde alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel auch einsetzt, damit die Zerstörungen unser Bausubstanz ein Ende haben. Parallel dazu soll die Mitar- beit mit der staatlichen Denkmalschutz- behörde, die die Mittel hat, Bürgern und Gemeindeverantwortlichen bei dieser Aufgabe zu helfen, weiter ausgebaut werden.
War die Abrissbirne erst einmal in Aktion, ist die Bausubstanz de nitiv aus unserem Stadtbild verschwunden, das darf nicht sein!
Dr Martine Mergen
Präsidentin CSV Stad